Rockbox – MP3-Player aufmotzen leicht gemacht

Einleitung

Ich besitze seit einigen Jahren einen MP3 Player der Firma Sansa/Sandisk. Um genauer zu sein ist es ein Clip. Kaufgrund damals war die geringe Größe, der von diversen Stellen gelobte Klang und dass es, ob der Größe, noch ein Display hat. Innovativ war das Display damals schon, da es eines mit OLED ist. Es hat eine Auflösung von 128×64 Pixel und die CPU in dem Teil werkelt mit 240Mhz. Man merkt schon, dass diese Geräte wirklich nur soviel Leistung mitbringen wie sie unbedingt brauchen. ;-)

Aus der englischen Wikipedia, erstellt von MarcelB612. Dieses Bild wurde unter der Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license lizensiert


Was ist Rockbox?

Nun aber zum eigentlichen Thema: Es gibt um Rockbox. Dies ist ein alternatives Betriebssystem für tragbare Mediaplayer und steht unter der GPL. Den Entwicklern gefielen die Einschränken der Geräte nicht und entwickelten daher dieses OS mit dem es möglich ist das Gerät vielfältigst zu erweitern. Rockbox gibt es bereits für sehr viele Geräte, darunter auch ipods. Die bestehende Firmware wird dabei nicht angetastet und man hat jederzeit die Möglichkeit das Original zu starten. Im weitesten Sinne also „Dualboot“. :-) Es werden über 20 Audioformate unterstützt. Darunter auch ogg und flac.

Installation

Zunächst muss man auf der Website nachschauen ob das eigene Gerät unterstützt wird. Wird es dort gelistet kann der Spaß schon losgehen. Unter releases findet sich der Download des RockboxUtilitity. Dieses lädt man herunter, entpackt es, schließt seinen Player an und führt die dann Datei aus. Es erscheint eine grafische Oberfläche die darum bittet das Modell auszuwählen. Alternativ kann man es automatisch erkennen lassen. War dieser Schritt erfolgreich, so erblickt man nun die eigentliche Oberfläche des RockboxUtility.

Oberfläche des RockboxUtility

Für uns Anfänger ist die Option „komplette Installation“ die beste Wahl. Nach einem Klick darauf startet sie auch schon. Im Falle des Clip (wird bei anderen Player ähnlich sein) wird man nun aufgefordert den Pfad zur Firmwaredatei anzugeben. Dazu musste ich in diesem Thread im Sansa Forum diese Firmware herunterladen. Danach entpacken und man erhält eine .bin Datei die man in diesem Installationsschritt angibt.  Danach arbeitet der Installer noch kurze Zeit und meldet dann, dass die Installation abgeschlossen ist. Nun kann man das Gerät sicher entfernen. Nach einem beherzten Reboot lächelt einem schon das Rockbox Logo entgegen.

Funktionen

Rockbox bietet so unglaublich viele Optionen, dass man im ersten (und auch zweiten) Moment davon erschlagen wird. Deswegen werden ich auch nur ein paar erläutern. Das Menü ist generell bei allen Modellen gleich aufgebaut, unterscheidet sich nur im Design und in der Bedienung (je nach Anzahl und Art der Buttons die das Gerät hat):

  • Files
  • Database
  • Resume Playback
  • Settings
  • Recording
  • FM Radio
  • Playlists
  • Plugins
  • System
Files:

Dies ist ein vollwertiger Dateimanager. Damit kann man den Inhalt seines Gerätes durchsuchen und Dateien direkt öffnen. Des Weiteren neue Ordner erstellen, kopieren/einfügen etc. Es ist auch möglich darüber Bilder und Videos (sofern sie in mpeg2 Format vorliegen) zu öffnen. Auf meinem Gerät mit der enormen Auflösung von 128×64 Pixel und 2 Farben ist dies relativ sinnfrei, aber…we have the technology! ;-) Im Bild sieht man einen Ausschnitt aus dem Film Sintel:

Database:

Hier kann man seine Datenbank, die gefüllt ist mit Tags aus den Musikdateien, direkt durchsuchen. Sei es nun Künstler, Genre, das Erscheinungsjahr, oder oder oder. In diesem Punkt ist es Datenbank gestützten Desktopplayern wie Amarok sehr ähnlich und macht das Auffinden von bestimmter Musik wesentlich einfacher.

Resume Playback:

Hierüber gelangt man zum eigentlichen Abspielen von Musik.

Ich verwende ein sehr minimalistisches Design. Diese Ansicht kann durch diverse Themes (können über das RockboxUtility installiert werden) angepasst werden. Des Weiteren kann man die Settings (siehe unten) schnell anpassen.

Settings:

In diesem Menüpunkt verstecken sich alle (und es sind eine Menge) Einstellungen für Rockbox.Ich erwähne nur mal die (für mich) interessantesten. Jeder dieser Einträge hat diverse Rädchen an denen mal stellen kann. Solltet ihr Fragen haben ob es eine bestimmte Option gibt, dann stellt sie in den Kommentaren:

  • grafischer parametrische Equalizer der mehr bietet als nur Bass und Höhen anzupassen
  • Timestretching um die Geschwindkeit der Musik zu ändern (Gimmik)
  • Compressor und dem Klang etwas „knackiger” wirken zu lassen
  • Replaygain: sorgt dafür dass unterschiedliche Titel alle die gleichen Lautstärke haben
  • Last.fm Log: erzeugt aus den gehörten Titeln einen Log, der bei Last.fm importiert werden kann
  • Cuesheet-Unterstützung
  • Cross-Fading: um Titel langsam ein- bzw ausblenden zu lassen
  • Sprachunterstütung: liest Menüpunkte etc vor. Damit kann der Player auch blind bedient werden.
  • Themes
  • Coverflow
  • Aufnahme-Funktion: nimmt vom Mikrofon oder Radio in mp3, wavpack, aiff und PCM auf.
Recording:

Dies ist ein grafisches Aufnahmeprogramm das in diverse Formate aufnehmen kann. Es wird immer ein Echtzeitbild des Lautstärkepegels angezeigt um zu sehen ob die Aufnehme gelingt oder nicht. Neben dem Format kann auch die gewünschte Bitrate, Frequenz und die Anzahl der Kanäle gewählt werden. Auch gibt es Automatiken: beginne die Aufnahme wenn der Pegel über $db liegt und nehme dann für 20 Sekunden auf. Nur um einen zu nennen.

FM Radio:

Welch Überraschung: ein Radio. Sofern die passende Hardware verbaut ist, kann man mit dem mp3-Player Radio hören und auch aufnehmen.

Playlists:

Hiermit können Playlisten erzeugt, ansehen und gespeichert werden. Eher unspektakulär im Vergleich zum Rest. Aber tut seinen Job.

Plugins:

Da Rockbox alleine ja schon nicht genug kann ;-) gibt es die Möglichkeit Plugins zu installieren. Eine große Anzahl (67 Anwendungen um genau zu sein) sind in der vollständigen Installation bereits enthalten. Auch hier nur meine Highlights:

  • Diverse Spiele von pong, über minesweeper bis hin zu Doom. Ja, Doom rennt auf Rockbox.
  • Bei den Applikationen finde ich das „Stimmgerät“ sehr interessant. Es nimmt den Ton vom Mikrofon auf und gibt auf dem Display die Tonart aus. Sicherlich praktisch um Instrumente zu stimmen. Das Metronom dürfte ebenfalls für Musiker interessant sein.
System:

Dieses Menü ist etwas unscheinbar. Datum einstellen, Info über die verwendete Rockbox Version, Danksagungen. Nix wildes, außer: Zugang zum Debugmodus. In diesem kann man allerhand interessante Informationen über das Stück Hardware, dass man in Händen hält, erfahren.

Fazit:

Es erweitert einen langweiligen Player in ein vielseitiges Stück Hardware. Die Installation ist einfach, lässt sich auf 99% der Userwünsche konfigurieren und macht nichts kaputt. Und das alles auch noch gratis. Ich bin von dieser Software extrem begeistert (was man wahrscheinlich auch an der Länge dieses Blogposts erkennt).

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23 Gedanken zu “Rockbox – MP3-Player aufmotzen leicht gemacht

  1. Guten Morgen.

    Kann man RB auch problemlos deinstallieren? Kann man auch die normale FW automatisch starten lassen, und nur beim Drücken einer Taste beim Booten RB laden?

    Ich bedanke mich im Vorraus, Gruß, Mobai

    • Ja, deinstallieren ist problemlos möglich via dem RB-Utility (oder manuell). Ist RB installiert, so startet es automatisch. Möchte man die original Firmware starten, so muss ich beim Clip nach links drücken und einschalten. Ich weiß nicht ob man dieses Verhalten umstellen kann.

  2. Ich habe Rockbox seit einigen Monaten auf dem Sansa Clip+ am laufen und bin sehr zufrieden (zumal der Clip wirklich einen tollen Sound hat).

    Für Klangfetishisten ist RB wirklich toll: vollparametrischer Equalizer, stereo width, dithering, crossfeed etc., derlei ist wohl auf kaum einen Player per default zu finden. Die Konfigurierbarkeit ist einzigartig, absolut jeder Parameter lässt sich anpassen – zudem ist das alles auch noch toll dokumentiert: das manual von Rockbox umfasst rund 180 PDF-Seiten und ist für jedes kompatible Gerät als eigene Ausgabe erhältlich.

    Das setzt aber auch voraus, dass man sich mit dieser Anleitung ein wenig auseinandersetzt, denn wie serenity schon schrieb: die zahlreichen Optionen können zunächst mal ganz schön erschlagend sein, zudem sollte man sich die Handhabe (shortcuts etc.) genauer ansehen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

    Kleiner Tipp am Rande: für’s Hochladen der last.fm-Scrobbler-logs empfehle ich QTScrobbler (http://qtscrob.sourceforge.net/), der kooperiert problemlos mit dem Clip, man kann die Datei vor dem Hochladen editieren, anschließend löscht QTS das logfile praktischerweise auch noch.

  3. Klasse! Hab’s gerade auf meinem Sansa Fuze installiert. War zwar nicht wirklich unzufrieden mit der Original-Firmware, aber Rockbox bietet wohl doch mehr – z.B. die Lastfm-Log. Beim Fuze wurde vor einiger Zeit per Firmware auch die Lautstärke auf ein geringeres Maximum begrenzt. Mit Rockbox geht’s jetzt bis AUA! – und weiter.
    Und ganz besonders cool finde ich das Ambiance-Theme, mit dem der MP3-Player auch noch aussieht, als liefe Ubuntu drauf! :)
    Danke für den Tipp und die Infos!
    Gruß, Gerald

      • Ja, das ist ein kleiner, aber verschmerzbarer Nachteil – man arbeitet ja beim Dateitransfer eh mit dem PC und nicht mit dem Player. Soweit ich weiß, arbeitet das Rockbox-Team daran (die meisten anderen Player booten wohl auch beim Anschluss an den USB-Port Rockbox), aber wie gesagt, das ist kein großer Nachteil. Allenfalls, das die OF nach dem unmounten und abziehen überflüssigerweise die Datenbank updadet, nervt ein wenig. Gemessen am sonstigen Gegenwert…

  4. @ME and my U: Ist ein wenig OT, aber nur mal so am Rande: die original-Firmware lässt sich zurücksetzen, bei der Regionsauswahl wählt man dann nicht “Europa” sondern “Rest der Welt”, dann hämmert auch ein nicht gerockboxter Fuze (bzw. Clip) wieder standesgemäß auf die Trommelfelle. Das ist auf eine EU-Vorgabe zurückzuführen, siehe http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/8410302.stm

    Ist aber im Grunde wurscht – wenn man Rockbox einmal erlebt hat, will man eh nicht mehr zurück. :-)

  5. Großartiges Projekt, bisher wusste ich nichts davon. Schade, daß mein guter, alter Player nicht unterstützt wird. Trotzdem danke für den guten Artikel!

  6. Ich verwende Rockbox seit vier Jahren auf meinem Sansa e200v1. Allein die “Breitband-Lautstärkeeinstellung” und die diversen unterstützten Formate war schon ausschlaggebend für mich. Viel Player-Auswahl für RB hatte man damals noch nicht und der e200 war/ist solide Hardware zum guten Preis (hoffentlich hält er noch lange *klopfaufsholz*). Und hey, man kann DooM darauf spielen – auch mit “nur” 80 Mhz ;)

    USB dürfte nachgereicht werden. Der e200 hatte ursprünglich auch kein Stack dafür, welcher dann in Laufe der Zeit in Software nachprogrammiert wurde. MSC geht (“USB-Massenspeicher”), MTP nicht. Der Clip, Fuze und e200v2 haben andere Hardware. IMHO nVidia-Foo und kein PP mehr:

    http://www.rockbox.org/wiki/SansaAMS

    Nur Geduld. Die Jungs und Mädels machen das schon.

  7. Bei den Clips ist der USB-Teil kaputt und wurde deshalb erst mal deaktiviert. Kommt aber, wie oben bereits gesagt, wieder.

    Und Danke für die netten Kommentare.

  8. Hallo,

    ich benutze Rockbox schon seit ein paar Jahren auf einem e200 und c200.

    Eine wichtiger Grund für mich ist der KFZ-Modus, wenn man den Sansa im Auto betreibt. Damit geht der Sansa automatisch an wenn er Spannung bekommt und startet an der Stelle wo er ausgeschaltet wurde. Wenn man die Spannung wegnimmt, geht er automatsich nach einer einstellbaren Zeit automatisch aus.
    Bei Player die mit der Sansdisk-Firmwware noch keine SHDC-Karten unsterstützen, werden diese mit Rockbox auch nutzbar.

    Gruß

    Michael

  9. Hi hab Rb auf meinem betagten Archos Jukebox Recoder 10 schon seit über 2 Jahren glaub ich…… ;)

    Es hat den “alten” nochmal echt Klasse aufgewertet .

  10. Das System scheint dinge zu können, die ich nicht einmal annähernd mit meinem Android oder Desktop PC kann. gibt es pläne das Programm dieses Systems auch unter einem Desktop Linux laufen zu lassen?

  11. Verfolge die Entwicklung auch schon länger, hab mich gefreut wien Schnitzel als der Ipod Classic nen ersten Port bekam, featuretechnisch schon unglaublich überlegen, war der Akku nen Tick schneller leer als bei der Original-Firmware weswegen ich Rockbox auch wieder runtergeschmissen hab, mal sehen wie der sich weiterentwickelt. spc und nsf-Playback ist zwar schon amazing aber ich habs dann mal bei der alten Firmware belassen.

    Atm bin ich am gespanntesten auf die Android-Version, leider hatte die noch Probleme mit der Auflösung und sich auf ein kleines Rechteck im 4,7 Zoll Bildschirm beschränkt, wodurch es nicht allzu benutzbar war, bin aber sicher, dass das mit der Zeit weiterkommt.

    @Rüti Bin mir ziemlich sicher dass es genügend Einzelprogramme gibt die alles relevante abdecken :P Rockbox ist ja quasi ein OS für den Player und wenn du auf dem PC sowieso schon eines hast, lässt sich sicher das meiste abdecken :P

  12. Hallo, schönen Einsteigerartikel hast du da geschrieben! Ich habe Rockbox auch installiert und finde die Einstellungsmöglichkeiten gewaltig.
    Wie ist das eigentlich mit “PictureFlow”: Kann dieses Plugin auch die Bilder aus den Tags der einzelnen mp3-Dateien extrahieren, oder muss jedes Bild in einen extra Ordner gespeichert werden?

  13. Hallo ! Habe ih auch installiert >>> klasse >> aber bei mir sind die Dateien durcheinander. ich krieg sie nicht mehr in die Richtige Reienfolge >> ganz am Anfang war es richtig >> ich habe irgendwo was geändert weiß aber nicht wo. Danke für eure Hilfe

  14. Hallo ihr Freeks,

    gibt es eigentlich eine Option ( habe die 208 Seiten Bedienugsanleitung durchwühlt und nichts gefunden ) wo man die im hauptmenue die Reihenfolge ändern kann ?

    Ich wollte direkt als 2. Menuepunkt das Radio. Im Moment musst du scrollen und da ich nur Files/Dateien und das Radio benutze, möchte ich die Auswahl direkt auf der 1. Menueseite haben.
    Bin dankbar für jeden Hinweis

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